Mai

31

2010

Wer trägt die Verantwortung für die Ölpest?

Abgelegt in Allgemein

Die Ölpest im Golf von Mexiko nach dem Untergang der Bohrplattform Deepwater  Horizon wird wohl eine der schlimmsten Naturkatastrophen, welche die Menschheit je verursacht hat. Die US-Regierung zeigt nun mit dem Finger auf BP und den Plattformbetreiber Transocean und tut so, als wären dies die einzigen Schuldigen für das Desaster. Doch die Schuldfrage ist weitaus komplexer und nicht in schwarz und weiß zu unterscheiden.

Die Schuldfrage kann man sehr schön an einer Meldung der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erläutern: Laut ZKB wurde die Bewertung der Transocean-Aktie heruntergestuft, da die “seit kurzem nochmals deutlich gestiegenen Risiken und der antizipierten strukturellen Veränderungen der Offshore- Bohrbranche” dazu führen werden, dass es sdchwerer sein wird, an Offshorebohrlizenzen zu kommen und die Sicherheitsanforderungen angehoben werden. Dies wird wohl zu geringeren Margen und schwächerem Wachstum führen. Diese Meldung offenbart, wo des Übels Wurzel liegt, nämlich im Endeffekt wieder bei der Finanzbranche und bei durchweg allen Ölkonsumenten.

Die Finanzbranche legt die Regeln fest, welche eine Aktie interessant machen, nämlich kurzfristiges ordentliches Wachstum mit schönen Ausschüttungen für die Anteilseigner. Wer das nicht bietet, wird fallengelassen. Langfristige, nachhaltige Strategien mit moderatem Wachstum aber dafür geringerem Risiko sind out, man ist nur an fast money interessiert.  Spielt ein Entscheidungsträger in einem Unternehmen wie BP oder Transocean nicht mit, wird er schnellstens entsorgt. Wer also seinen eigenen Kopf retten will, macht mit und trifft Entscheidungen ausschließlich unter dem Gesichtspunkt “was bringt kurzfristig den meisten Gewinn”. Risiken werden vollständig ausgeblendet. Die Ingenieure auf der Deepwater Horizon haben vor den Risiken gewarnt, es standen zwei Varianten für die Bohrlochversiegelung zur Auswahl, entschieden hat man sich für die kostengünstigere, aber eben riskantere. Gespielt – gewonnen, gespielt – verloren.

Die Ölkonsumenten tragen aber auch mit Verantwortung. Zum einen fordern sie nicht vehement genug regenerative und nachhaltige Energieproduktion, zum anderen wird mit dem Öl viel zu sorglos umgegangen. Man verschwendet Unmengen an Energie und fordert deshalb niedrige Preise. Der entstehende Preiskampf wirkt nun wieder bei den Unternehmen als höherer Kostendruck, was dann zu den gleichen Wirkungen führt wie der Druck aus der Finanzbranche.

Man kann es drehen wie man will, diese Ölpest ist nicht nur BP und Transocean anzulasten, wir alle haben sie mitzuverantworten. In Zukunft kann so etwas nur verhindert werden, wenn die ganze Menschheit umdenkt und endlich lernt, die Natur dieses Planeten nachhaltig zu nutzen, statt sie zu verkonsumieren bis kein Leben mehr möglich ist.

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