Die Ölpest im Golf von Mexiko könnte für den Ölkonzern BP das Ende bedeuten. Nach eigenen Angaben wurden bisher 1,4 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Folgen ausgegeben und es ist davon auszugehen, dass es noch mehr wird. Die BP Aktie ist seit dem vorigen Beitrag zum Thema noch weiter abgesackt. Um genau zu sein: Der Börsenwert von BP hat sich seit der Katastrophe auf die Hälfte reduziert!
In der Finanzwelt hält man es für durchaus möglich, dass die Ölpest die Existenz des Unternehmens bedrohen könnte. Der Umfang der Zahlungspflicht für Schäden wird auf bis zu 32 Milliarden Dollar geschätz, was auch bei einem Jahresgewinn von rund 15 Milliarden Dollar ein herber Schlag ist. Selbst wenn BP das überlebt, würde wohl auf Jahre hinaus keine Dividende gezahlt werden können, was das Interesse an der Aktie massiv schmälert.
Da BP ja immernoch reichlich Geld einnimmt und kapitalisierbare Werte wie Bohrrechte, Infrastruktur usw. besitzt, liegt der Börsenwert momentan sogar unter dem Buchwert des Konzerns. Das bedeutet anders gesagt, wenn man BP zerschlägt und die Teile verkauft, kriegt man mehr Geld raus, als wenn man alle Aktien verkauft.
Dies wirft die Frage auf, ob es in derartigen Fällen, in denen ein Konzern durch derart sträfliche Fahrlässigkeit eine Umweltkatastrophe mit enormen Auswirkungen auf Mensch und Natur verursacht, vertretbar wäre, die Aktionäre zu enteignen und den Erlös vom Verkauf zum Schadensersatz zu verwenden. Viele werden an dieser Stelle aufschreien und das Mantra der freien Marktwirtschaft summen. Doch hier liegt ein klarer Fall von Marktversagen durch externe Effekte vor:
BP und auch andere Ölförderer haben Bohrtechnologie vorangetrieben, ohne zeitgleich in die Katastrophenvermeidung zu investieren. Die Kosten einer möglichen Katastrophe wurden also nie in den Marktpreis für Öl einbezogen. Die Geschädigten sind nicht nur die Amerikaner entlang der Küste, sondern die Menschheit, da ein erheblicher Teil des Ökosystems gestört wird. Die drakonische Strafe einer Enteignung würde einerseits garantieren, dass man sich bei BP nicht aus der Verantwortung stehlen kann, andererseits wohl auch eine erhebliche Abschreckung für die übrigen Konzerne der Branche sein.
Um Aktionäre weiterhin für ihre Unternehmen zu gewinnen, müssten sie erheblich in die Katastrophenvermeidung investieren, um im Ernstfall nachweislich mit der größt möglichen Sorgfalt gehandelt zu haben und damit einer Enteignung zu entgehen.
Ich bin der Ansicht, dass man das Szenario einer Enteignung derartiger Umweltsünder durchaus in Betracht ziehen sollte. Freie Marktwirtschaft ist bis zu einem gewissen Punkt eine feine Sache, aber die Gier des Menschen ist leider so groß, dass man klare Grenzen ziehen muss. Der Markt regelt nämlich leider nicht, was mit den Millionen direkt Geschädigten passiert und schon garnicht, was die Natur betrifft. Wenn die Floriad Keys und Bermudas ölverschmiert sind, kauft sich die Wirtschaftselite eben neue Villen an einem sauberen Fleckchen Strand.
Ohne die Installation eines riesigen Damoklesschwert wird der rücksichtslosen Ausbeutung auf Kosten von Natur und Menschheit kein Einhalt geboten werden können. Kontrollbehörden, deren Mitarbeiter auf der Gehaltsliste der zu kontrollierenden Unternehmen stehen, sind jedenfalls keine zielfördernde Maßnahme, wie man gesehen hat.
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Mal andere zahlen 20 % des Erdölverbrauchs werden von 5 % der Menschen verursacht (USA). Über 30 % der Aktien sind in Großbritanien, sehr viel davon Pensionsfonds. Über 40 % der Aktien sind in den USA.
Was würde bei einer Zerschlagung, Stopp von Bohrungen im Golf von Mexiko, … mit dem Ölpreis passieren. Richtung wohl eher oben. Bei einem hohen Ölpreis wird die Wirtschaft massivst leiden und das auch noch bei einer so fragilen Lage. Obama muss halt seine Inkompetenz verdecken bei der Meisterung der Krise (ggg).
@Mathias
Danke für die Zahlen. Normalerweise würde ich Dir Recht geben, dass der Ölpreis dann nach oben geht. Dennoch sollte man beachten, dass eine Zerschlagung nicht die förderbare Menge an dem Rohstoff beeinflusst. Die Rechte zur Förderung gehören dann nur jemand anderem. Auch wenn es zeitweilig zu weniger gefördertem Erdöl kommt, wäre ein Preisanstieg wiedermal nur ein psychologischer Markteffekt und nicht durch eine globale Versorgungslage erklärbar.
vg
Maik
Da magst du recht haben nur wer sollte bei einer Zerschlagung die Anteile an den Bohrinseln etc bzw. dem US Geschäft den zuschlagen? US-Unternehmen, dürfte sicherlich politisch Unangenehm werden. Dann könnte Großbritanien auch mit Konsequenzen der USA drohen mit, wir gehen aus Afghanistan raus … Und dass die Russen, Chinesen oder der nahe Osten sich die angelt, wäre der USA sicherlich nicht recht. Die haben wohl eher westliche Länder bei sich im Geschäft.
@Mathias
Ob BP zerschlagen wird steht für mich erst mal auf einem anderen Blatt. Das Chapter eleven scheint mir nicht so nahe zu sein, wie sich manche das wünschen. Da gibt es noch viele andere Szenarien, die möglich sind.
vg
Maik