Der neuste Monatsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) analysiert die Griechenlandkrise und deren Höhepunkt im Mai. Die Umstände der Krise waren so dramatisch, dass das Risiko eines vollständigen Crashs unseres Finanzsystems drohte. An manchen Wertpapiermärkten sei die Situation sogar noch gefährlicher gewesen als beim Crash von Lehmann Brothers im Jahr 2008.
In der Fachwelt sieht man die Einschätzung der EZB als korrekt und nicht überzogen an. Es waren Stimmen laut geworden, dass die EZB vielleicht den Bericht übertrieben habe, um ihr umstrittenes Handeln in der Griechenland-Krise zu rechtfertigen.
Damals wurde der Zentralbankchef Jean-Claude Trichet hart angegangen, weil er sich für den Kauf der schlecht berwerteten griechischen Staatsanleihen entschieden hatte und damit eine der Leitlinien der EZB verlassen hatte. Demnach werden nämlich nur Anleihen mit einem akzeptablen Rating gekauft, was bei der Milliardentranche griechischer Papiere definitiv nicht der Fall war.
Es zeigt sich aber jetzt, dass diese unpopuläre Entscheidung notwendig war, um schlimmeres abzuwenden. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Einschätzung der EZB korrekt war, ist das Eingreifen des Internationalen Währungsfonds.
Das Risiko bestand vorallem darin, dass mehrere große Bankenhäuser so viel griechische Anleihen im Portfolio hatten, dass im Falle des Crashs diese Banken überschuldet gewesen wären. Die Märkte reagieren seit der Finanzkrise 2008 extrem nervös und man hat gesehen, wie schnell die Stimmung umschlagen kann und zu einem völligen Verfall bestimmter Anlagen führen kann.
Da es sich bei den Anlagen nicht um irgendwelche windingen Finanzprodukte handelte, sondern um seriöse Staatsanleihen, waren drastische Maßnahmen notwendig. Denn es drohte auch ein Dominoeffekt: Andere Euroländer wie Irland, Griechenland, Portugal oder Spanien haben auch Schwierigkeiten und ohne ein starkes Signal zur Vertrauensbildung hätte die Anlegerflucht auch auf deren Anleihen übergegriffen.
Allerdings ist die Krise bisher nur symptomatisch bewältigt, es kann jederzeit wieder zu einer Schieflage kommen. Um dies zu verhindern müssen die Euroländer diszipliniert wirtschaften – und das auf mehrere Jahre.
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