Das griechische Parlament hat am vergangenem Wochenende dem umstrittenen Sparpaket zugestimmt und hat sich somit das benötigte Hilfspaket der EU gesichert. Aufgrund des Sparpaketes soll es in Griechenland zu Massenentlassungen im öffentlichen Dienst sowie zu erheblichen Kürzungen des Mindestlohns und der Renten kommen. Die Zustimmung der Griechen zum Sparpaket war die Voraussetzung der EU für eine Bewilligung des zweiten Hilfspaketes in Höhe von 130 Milliarden Euro.
Die Entscheidung des griechischen Parlamentes hatte Massenproteste in Athen mit massiven Ausschreitungen zur Folge.
Rund 100.000 Demonstranten auf den Straßen
Polizeiangaben zu Folge kam es zu Protesten mit rund 80.000 Demonstranten in Athen und weiteren rund 20.000 in Thessaloniki. Bei den Protesten kam es in beiden Großstädten zu massiven Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Das aufgebrachte Volk warf mit Steinen und Brandsätzen, woraufhin die Polizei mit dem Einsatz von Tränengas reagierte. Einige deutsche Korrespondenten, die aus Griechenland berichteten, sprachen von bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Bilder, wie nach einem Bombenangriff, so beschrieben mehrere Nachrichtenagenturen, die derzeitige Lage in der griechischen Hauptstadt.
Schwere Brände in Athen
Es wird von mindestens 80 verletzten Personen, darunter 30 Polizisten, ausgegangen.
Die griechische Feuerwehr gab an, dass etwa 40 Brände gelegt worden seien, die zu erheblichen Schäden führten, da aufgrund der Menschenmassen kein Durchkommen zu den Einsatzorten möglich war. In der Athener Innenstadt seien ein Kino, ein Café sowie mehrere Ladengeschäfte vollständig ausgebrannt. Daneben waren Banken in Brand gesetzt worden. Zudem war es zu Plünderungen einiger Geschäfte gekommen. Schüsse aus Reizgaspistolen waren zu hören und Rauch aufgrund der Brände sowie der Tränengaseinsätze lagen über der Stadt.
Wut und Hilflosigkeit der griechischen Bevölkerung
Die meisten Griechen hatten die Durchsetzung des Sparpaketes kommen sehen, doch jetzt, da es amtlich ist, kennt die Wut und Hilflosigkeit der Menschen keine Grenzen. Angst vor noch weiteren finanziellen Konsequenzen macht sich in der griechischen Bevölkerung breit, dass die Zukunft nichts Gutes bringen wird, dürfte mittlerweile Jedem klar sein. Kritiker des Sparpaketes sprechen sogar davon, dass Griechenland auf das Niveau eines Schwellenlandes zurückgeworfen wurde. Welche Folgen das nun auch genau haben mag, eines ist sicher, den Griechen wird es in Zukunft sehr schlecht gehen.
Währenddessen verteidigte der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos das Sparpaket. Es gäbe keine Alternative, der den drohenden katastrophalen Bankrott Griechenlands verhindern könne. Ein Bankrott Griechenlands würde zu einem unkontrollierbaren Chaos und einer sozialen Explosion führen. In diesem Fall würden alle Ersparnisse der Griechen verloren sein und weder Renten noch Gehälter könnten bezahlt werden. Inwiefern das Sparpaket zur Rettung des Euro zum Wohl der griechischen Bevölkerung eingesetzt werden mag, wird die Zukunft zeigen.
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Die Situation in Griechenland sollte nicht nur finanzanalytisch betrachtet werden.
Moralische, ethische, soziologische und selbstverständlich auch geschichtliche Aspekte spielen hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel will sind nicht in die Geschichtsbücher als Unperson vermerkt sehen, mit dem (ewigen) Vorwurf, der aus Griechenland wahrscheinlich käme: „ihr habt uns damals im Stich gelassen!“
Deshalb wird Griechenland, das um einen „Platz auf Augenhöhe der EU-Partner“ kämpft, auch nicht von den EU-Partnern fallen gelassen werden.
Natürlich ist es für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger der Mittelschicht und der sozial schwachen Menschen dort eine zermürbende Zerreisprobe, die sich in Frust und Aggressionen endlanden kann. Alle Marktbeobachter innerhalb und außerhalb der EU hoffen daher, dass die Regierung und das Parlament in Athen dies erkennt und schnelle Entscheidungen trifft.
Sandro Valecchi, Berlin
Das stimmt. Es leiden nun die, die nicht an der Misere Schuld sind. Im Prinzip ist das eine Enteignung dieser Menschen. Ihre Vergütung für Arbeit oder geleistete Arbeit (Rentner) wird bzw. kann auf Grund von Systemfehlern nicht mehr normal vorgenommen werden. Wäre nicht auszudenken, wenn sowas mal in Deutschland selbst passiert.