Nov

23

2011

Ratingagentur „Moody’s“ droht Frankreich mit einer Abstufung der Spitzen-Bonität

Abgelegt in Wirtschaftskrise

Bislang besaß Frankreich, als zweitgrößtes Euro-Land, die Top-Bonitätsnote „AAA“ und verfügte somit über die höchstmögliche Kreditwürdigkeit. Nun scheint jedoch die Ratingagentur „Moody’s“ an Frankreichs Thron zu wackeln und droht mit einer Abstufung der Spitzen-Bonität. Vor rund zehn Tagen reagierte die Finanzwelt äußerst unruhig auf die Nachricht, dass die Ratingagentur „Standard & Poor’s“ die Spitzen-Bonität der Franzosen herabgestuft habe.

Diese Hiobsbotschaft drohte an der Internationalen Börse wieder einmal einen rasanten Fall des DAX Index auszulösen. Doch am selben Tag musste sich „Standard & Poor’s“ eingestehen, dass es sich bei der Abstufung um ein Versehen gehandelt habe und die Finanzlage blieb vorerst stabil. Was „S&P“ in der letzten Woche als Fehler deklarierte, droht „Moody’s“ Frankreich nun wirklich an.

Warum soll Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft werden?
Die Top-Bonitätsnote „AAA“ Frankreichs wird laut der Ratingagentur „Moody’s“ aufgrund der steigenden Zinsen für französische Staatsanleihen und die schwächelnde Wirtschaftslage in Frage gestellt. Wegen der hohen Marktzinsen würden sich die Haushaltsschwierigkeiten Frankreichs weiter verstärken, eine Verringerung des Defizits sei nicht in Sicht, was dauerhaft als Risikofaktor anzusehen sei, der auf die Bonität des Landes drückt.

Die Schuldenkrise in Europa scheint immer größer werdende Kreise zu ziehen und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Zinsen für Staatsanleihen sind in den letzten Monaten gleich in mehreren europäischen Ländern auf ein Rekordniveau angestiegen, wie beispielsweise auch in Italien und Spanien. Über die Schuldenkrise Griechenland muss in diesem Zug wohl kaum ein Wort erwähnt werden…

Bereits Mitte Oktober hatte „Moody’s“ die Kreditwürdigkeit Frankreichs im Visier und wollte prüfen, welche Maßnahmen die französische Regierung zur Reduzierung des Staatsdefizits ergreift. Ob die Bestnote „AAA“ der Kreditwürdigkeit Frankreichs erhalten bleibt oder nicht, soll binnen der nächsten drei Monate entschieden werden. Um die Bestnote zu bewahren, hatte Frankreichs Regierung in den letzten Monaten bereits zwei Sparpläne aufgelegt. Allerdings waren aufgrund der Schuldenkrise Europa die Risikoaufschläge für französische Staatsschuldtitel drastisch angestiegen, wodurch der Staatshaushalt zusätzlich belastet wurde. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Länder in der Eurozone, die über die Top-Bonitätsnote „AAA“ verfügen. Hierzu gehören momentan lediglich Deutschland, Finnland, Luxemburg, Niederlande und Österreich.

EU-Rettungsschirm EFSF durch Abstufung Frankreichs Bonitätsnote gefährdet?
Der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker sieht eine mögliche Herabstufung der Bonitätsnote Frankreichs als äußerst kritisch für ganz Europa. Durch den Verlust des AAA-Ratings von Frankreich sei gleichzeitig das AAA-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet. Welche Folgen dies für den gesamten europäischen Raum haben kann, ist bislang wohl kaum abzusehen.

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Eine Reaktion zu “Ratingagentur „Moody’s“ droht Frankreich mit einer Abstufung der Spitzen-Bonität”

  1. Sandro Valecchi, am 24. November 2011:

    Comment pouvez -vous à ce point nier la réalité! Frankreich im November 2011. Der Sturm auf die Bastille in der Fassung des Jahres 2011: nicht schlechtes Hollywood- Entertainment, sondern bittere Realität. Die Ratingagenturen Moody’s und Fitch drohen Frankreich die in der Finanz- und Wirtschaftswelt außerordentlich wichtige Top-Bonitätsnote AAA zu entziehen, was definitiv Anleger und Investoren erheblich verunsichern und abschrecken wird, zudem die Zinsen für die Zwischenfinanzierung der Staatsschulden über Staatsanleihen deutlich verteuert und somit in Zukunft weiter erschweren wird.

    Frankreich hat die Wahl, Fleuret oder Verschärfung der Schuldenkrise, die Mensur ist jedenfalls eng und die Ratingagenturen beabsichtigen, Frankreich in die Paraden zu fahren.

    Einen Vorstoß a` tempo riskierte bereits am Montag die Ratingagentur Moody’s, mit der harten Klinge der Herabstufungsandrohung, falls die Refinanzierungskosten dauerhaft hoch blieben und die Konjunkturflaute den Haushalt weiterhin derart belasten werden. Nach bevor Frankreich parieren kann, erfolgen nun Nachstöße der Ratingagentur Fitch mit Blick auf die wachsenden Ansteckungsgefahren und das Risiko eines Konjunkturabschwungs, die zur Beeinträchtigung der Kreditwürdigkeit führen würden. Gelingt Frankreich die Reprise?

    Unter massiven Druck gesetzt sollen zusätzliche Schritte der Regierung Frankreichs den Defizitabbau bis 2013 weiter vorantreiben.

    Einen Bastardstoß (im Fecht-Sport der Stich in Richtung “Weichteile unterhalb der Gürtellinie”) versetzte die Ratingagentur Standard & Poors’s der stolzen Nation, als sie in der vergangenen Woche eine Herabstufung der Top-Bonitätsnote AAA über die Medien verkündete, sich sodann wieder selbst korrigierte und mit dem Alibi eines vermeintlichen Computerfehlers einen taktischen Rückzug antäuschte. Comment pouvez -vous à ce point nier la réalité!

    In der vergangenen Woche hatte Frankreich neue Anleihen emittiert und nunmehr deutlich höhere Zinsen als zuletzt zahlen müssen. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen war auf einen Euro-Zonen-Rekord gestiegen.

    Nicolas Sarkozy, Staatspräsident der Französischen Republik, will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen.

    Nun zur Frage des Analysten Sandro Valecchi an den Staatspräsidenten: N’est -il pas alors de notre responsabilité d’agir plutôt que de fuir, Monsieur le Président?

    V.i.S.d.R.
    Sandro Valecchi, Analyst, 10555 Berlin

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