Die Wirtschaftskrise beutelt aktuell den Stellenmarkt gewaltig, es wird in den kommenden Monaten eine deutliche Zunahme der Arbeitslosenzahlen erwartet. Ebenfalls erwartet wird die Bundestagswahl im Herbst, was bedeutet, dass das Thema Arbeitslosigkeit ein zentrales im Wahlkampf ist und sein wird.
Der SPD Kanzlerkandidat und amtierende Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich nun in einer Pressekonferenz dazu hinreißen lassen, dem Wahlvolk ein neues Wirtschaftswunder zu versprechen: In nur 10 Jahren soll es vier Millionen neuer Arbeitsplätze geben und Vollbeschäftigung herrschen – man muss ihm nur zur Macht verhelfen. Doch wie will er das anstellen?
Dazu gibt er natürlich wenig konkrete Auskunft. In seiner Rede ist von zwei Millionen Stellen in der Industrie durch effizienten Einsatz von Rohstoffen und Entwicklung neuer “grüner” Technologie, insbesondere bei Elektroautos, zu lesen. Wie der sparsame Einsatz von Rohstoffen Stellen schaffen soll, darüber kann man nur spekulieren. Und ob die Stellenbilanz positiv ist, wenn man die neuen Stellen durch Elektoautos mit den wegfallenden Stellen bei den Verbrennungsmotoren verrechnet, steht in den Sternen.
Ein weiteres Milliönchen neuer Jobs wird es in der Gesundheits- und Sozialbranche geben, da neues Pflegepersonal in Heerscharen eingestellt werden soll. Von welchen Geldern werden die dann bezahlt? Der weise Politiker schweigt hierzu lieber angesichts eines Rekorddefizites durch explodierte Staatsausgaben… Die fehlenden eine Million Stellen sollen dann je zur Hälfte in der Kreativwirtschaft und Dienstleistung und Gewerbe entstehen.
Als Ökonom kann man über solche Aussagen nur den Kopf schütteln. Vollbeschäftigung ist eine Utopie, die nur in sehr einfachen Modellen existiert und dann nur in kurzfristiger Betrachtung. Meist geht man von einer sogenannten natürlichen Arbeitslosigkeit aus, schon alleine aus dem Grund, dass es in einem abgesicherten sozialen Netz immer wieder Trittbrettfahrer gibt, die überhaupt kein Interesse an einem Arbeitsplatz haben, solange sie nur ihre Stütze vom Amt bekommen. Auch allokative Aspekte (wie kommt der Arbeiter aus dem Allgäu zur Stelle in Flensburg) sind wichtig, da keine unbegrenzte Mobilität am Arbeitsmarkt besteht.
Außerdem ist noch kein Fall in der Geschichte bekannt, bei dem in einer Dekade vier Millionen Stellen geschaffen wurden. Als maximale Zahl in Deutschland geschaffener Stellen kann man von 1,6 Millionen in der Boomzeit zwischen 2005 und 2008 ausgehen – mit bekanntem Ausgang, nämlich dem aktuellen Einbruch. Auf 10 Jahre kann man mit zwei Konjunkturwellen rechnen, also auch wieder Rückgängen. Da zu behaupten, man könne ein absolutes Plus von vier Millionen Stellen schaffen, ist entweder akuter Größenwahn oder an Dreistigkeit kaum zu überbietende Wahllüge. Vielleicht hat Herr Steinmeier bei der Schweiz ein Ass im Ärmel mit einem Schweizer Kredit. Die Schweizer wollen da ja keine Schufa-Auskunft. Der deutsche Steuerzahler hats ja.
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